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Foto nordische Landschaft

16. Oktober 2010

We should have said goodbye more gently: Iceland Airwaves 2010

Die Isländer fangen fast schon an, sich für das grauselige Wetter zu entschuldigen, das bei der 2010-Auflage von Iceland Airwaves besonders ungemütlich daherkommt. Trockene Schuhe, was ist das? Bei der einheimischen Damenwelt im heiratsfähigen Alter sind gewisse modische Trotzreaktionen zu beobachten: Je fieser der Regen, destö höher die Absätze und desto kürzer die Röckchen. Nachts um 12 stolziert eine dieser Schönen, ihren Galan im Schlepptau, im ärmellosen kleinen Schwarzen und Pomps mit 15-Zentimeter-Absätzen durch den Dauerregen. Respekt!

Freitag und Samstag sind die Hauptfestivaltage bei Airwaves, und entsprechend kompliziert fällt die Planung aus. Ein Fixpunkt auf dem Kalender sind die akkustischen Konzerte mit anschließender Fragerunde im Nordic House, dem skandinavischen Kulturzentrum auf den Marschwiesen an der Universität. Den Anfang machen an diesem Nachmittag die mir bis dahin völlig unbekannten Hjálmar. Isländischer Reggae, die Texte in der Landessprache, das soll peinlichkeitsfrei gut gehen? Das Erstaunliche ist: Keine Frage, absolut! Hjálmar schaffen es souverän und unangestrengt, die karibische Relaxtheit und die isländische Kargheit zu einer Synthese zusammenzuführen. Sehr handgemacht und bescheiden in der Akustikversion, aber von einer hohen emotionalen Dichte und einem stets präsenten untergründigen Humor. Diese Jungs kommen im Schlumpf-T-Shirt (Sänger) und Badelatschen kombiniert mit rotgetönter Nickelbrille (Pianist) daher und sind mit Abstand der coolste Act, den die Polarbloggerin bislang auf dem Festival gesehen hat. Auf die Frage aus dem Publikum, was den Island mit Jamaica zu tun hat, kommt die trockene Antwort: »Das sind doch beides Inseln«! Hjálmar waren übrigens in diesem Jahr zum ersten Mal auf Jamaica und haben eine Dokumentation über die Zusammenarbeit mit den heimischen Musikern gedreht, kleiner Ausschnitt:

hjálmar in studio – hvert sem ég fer from gogoyoko on Vimeo.

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03. Januar 2008

Musik von vorne: Bands für 2008 [4/4]

Natürlich hätten wir diese Liste noch viel länger machen können. Und müssen! In Norwegen tummeln sich in Oslo und in der Bergen-Szene noch exzellente Künstler (beispielsweise die genialen Avantgardeure von Shining und Italo-Beatmeister Lindstrøm ), in Schweden reißt die Serie an wunderbaren Folkpop-Musikern nicht ab und Finnlands Bands haben 2007 schon dominiert. Man nenne an dieser Stelle Rubik und Sister Flo. Nach Teil eins und zwei und drei gibt es hier nun weitere Exemplare aus der spannenden skandinavischen Musikszene.

LAU NAU (FIN)

 Der Wodkaverbrauch in den düsteren Monaten steigt in Finnland gen unendlich. So lautet ein weitverbreitetes Klischee. Bei Lau Nau dürfte neben Patchouli eher das ein oder andere Kraut die Lebensadern weiten und so für den passenden Singsang sorgen. Man stellt sich quasi automatisch vor, die Frau hinter diesem Projekt haust mit zerzausten Haaren in irgendeinem Märchenwald und lässt einmal pro Tag schleppend ihre geränderten Fingernägel über die Harfe sausen. Das ist avantgardistisch und weird, aber so was muss es eben auch geben. Es geht hier eher um Sounds als Songs, allerdings muss Laura mit ihren rekrutierten Waldschraten die gerade eingespielten für ihr neues Album auswählen. Mit Glück erscheint es 2008. Zum Weiterhören empfehlen wir den Komplettkatalog des spannenden Labels Fonal, z.B. Valojuopot oder Shogun Kunitoki. Aber Achtung: Circa 96% der zufällig befragten Passanten verneinten die Frage, ob es sich dabei um Musik handele…

Homepage: myspace.com/launau

BLOODGROUP (ISL)

 Wenn hier im ersten Satz etwas wie »blutrünstig«, »brachial« oder »todesmetallisch« stehen würde, wären die Erwartungen wohl passend erfüllt. Aber ein paar Isländische Scherzkekse spielen mit Assoziationen (wie z.B. auch der Kanadier von Destroyer) und lassen danach bunte Luftblasen folgen. Die Mischung ist undefinierbar. Hier wird sich zwischen Elektro, Pop, Soul und Funk bewegt – bunter bemalt als ein Keith Haring-Bild. Stillstehen ist unmöglich, ebenso weitere Informationen über diese Band zu erhalten. Schüttelt Extremitäten zu dieser frischen Band aus eisi Iceland!

Homepage: myspace.com/bloodgroup

BARR (SWE)

 »Barr is Swedish for pine needle. And a seven piece making acoustic mayhem.« So steht es zumindest auf ihrer myspace-Homepage. Bisher gibt es nur wenige Songs, die eingespielt dort ihren Platz finden. An eine offizielle Präsenz oder gar mehr Infos ist nicht zu denken. Aber ihre Folkpop gefällt durchaus mit einer reichhaltigen Instrumentierung und guten Ideen. Dass das Umfeld aus Jenny Wilson und Moneybrother besteht, dürfte da auch nicht gerade hinderlich sein. Ein Label ist allerdings noch nicht gefunden, so dass Zeit genug bleibt, dem Baum beim wachsen der Band beim Werdegang zuzugucken. Würde übrigens super auf Imperial Recordings passen, wo z.B. auch Promise And The Monster (auch total neu), José Gonzalez und Co drauf sind.

Homepage: myspace.com/barrmusic

Es gibt viel zu entdecken. Freuen wir uns also auf 2008!

26. Oktober 2007

Plakativ: José González auf Deutschlandtour

 Das Urprinzip des Lebens ist seine Vergänglichkeit. Philosophie und Religion leiten daraus unterschiedliche Schlüsse ab, jeder von uns bewältigt diese zentralen Fragen mit eigenen Antworten. Auch der schwedische Songwriter José González mag sich damit auseinandergesetzt haben. Sein neues Album „In Our Nature“ entspinnt mit atmosphärischen Akustiksongs und seiner ganz eigenen kreidenen Stimme einen melancholischen Grundton.

 Im November kommt er nach langer Liveabstinenz wieder auf Deutschlandtour.

  • 12.11. Berlin, Kino Babylon
  • 13.11. Hamburg, Knust
  • 14.11. München, Atomic Café
  • 19.11. Köln, Gloria

Um das gebührlich zu feiern, hat sich die kleine Konzertagentur etwas Besonderes ausgedacht. Das Vanitas-Thema des Albumtitels wird in speziall angefertigten und strikt limitierten Tourplakaten aufgenommen.  Die Berliner Künstler und Typografen Björn Wiede und Stefan Guzy erfanden dazu im Labor eine ganz spezielle Druckfarbe auf der Basis von Eisenpulver.

Per Siebdruck gedruckt, lassen Luft und Wasser die Plakate unterschiedlich oxidieren.  Das Papier rostet. Erst nach und nach legt dieser Farbumschwung ins Bräunliche Teile der Typografie frei, die auf einer eigens für dieses Plakat entworfenen Schrift “Heinemann” basieren.

 Die Plakate, die diese Prozedur unbeschadet überstehen, werden am Schlusspunkt ihrer Oxidationsphase auf den vier Deutschland-Konzerten verkauft. Eine geniale Idee, eine intelligente Umsetzung des Themas und sicherlich ein außergewöhnlich schönes Souvenir von bestimmt genau so schönen Konzerten.

08. Juli 2006

Das Polarblog-Mixtape

 Erst gerade hab ich den Tipp bekommen: Einen der schönsten Campingplätze Schwedens findet man am östlichen Vänern-Ufer bei Hällekis zwischen Mariestad und Lidköping. Camping »Kinnekulle« heißt er. Einige der schönsten Songs für den Campingsommer findet Ihr hier – zum Teilen und Liebhaben. Und natürlich, um passend den Sonnenuntergang am Vänern genießen zu können. Dabei sind einige schon bekannte Künstler und viele Newcomer, die durch ihre Frische, ihren Charme oder Einfallsreichtum bestechen.  

Wenn Euch die Songs gefallen, unterstützt bitte die Künstler und kauft ihre Alben. Sie haben es verdient.